Da können einem wirklich die Zweifel kommen. So viele Jahre schienen sich die Dinge zum Guten zu entwickeln: mehr Frieden, mehr Gerechtigkeit auf der Welt, mehr Klimaschutz. Und die Hoffnung, dass endlich alle Menschen zu dem kommen, was sie zum Leben brauchen.
Doch das war wohl die positive Perspektive von uns in Mitteleuropa, die wir vor allzu großen Katastrophen in den letzten Jahrzehnten verschont geblieben sind.
Auch die Jüngerinnen und Jünger haben viel Gutes mit Jesus erlebt. Sie waren dabei, als er Menschen gesund gemacht hat. Mit offenen Ohren und Herzen haben sie aufgesogen, wie Jesus von Gott erzählt hat. Obwohl die Römer im Land das Sagen hatten und das Alltagsleben nicht einfach war, hat Jesus die Menschen mit Mut erfüllt und mit der Hoffnung, dass jetzt alles besser wird.
Doch mit einem Streich waren alle Hoffnungen zerstört, als der römische Statthalter Pontius Pilatus Jesus hat hinrichten lassen. Angestachelt durch die
Hohenpriester von Jerusalem. Und die Menschen, die auf Jesus ihre Hoffnung gesetzt hatten, haben wieder deutlich gespürt: Wer die Macht hat, kann tun und lassen, was er will.
Bis Jesus zu ihnen kam, leibhaftig.
"Friede sei mit euch!" Ja, das war er!
Echten Frieden für außen und innen, den kann nur Jesus schenken. Nur Thomas war nicht dabei und konnte es nicht glauben. Einsam und traurig saß er da zwischen den Jüngerinnen und Jüngern, deren Hoffnung von Tag zu Tag stärker wurde. Seinem Gefühl konnte er nicht mehr trauen. Und dem Gefühl der anderen auch nicht.
Endlich kam Jesus wieder zu ihnen. Er nahm Thomas beiseite und erlaubte ihm sogar, seine Wunden zu berühren. Doch das brauchte Thomas jetzt nicht mehr. Selbst als Jesus zu ihm sagte: "Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben!", fühlte er sich doch nicht
zurechtgewiesen. Jesus, der Auferstandene, hat ihn angenommen mitsamt seiner Fragen und seiner Zweifel.
Gott sei Dank sind auch heute unsere Zweifel bei Gott aufgehoben. Meine Zweifel an meiner eigenen Wahrnehmung. Meine Zweifel an Gott, der mir nah sein will und doch manchmal so weit weg zu sein scheint. Meine Zweifel an dem, was ich tu und lasse.
Manchmal schenkt Gott auch heute unserem Glauben eine Bestätigung, dass er für uns da ist, auch wenn es ganz
anders scheint. Manchmal sogar die Begegnung mit dem Auferstandenen, nicht sehend und doch glaubend. Weil er mich tief drinnen anrührt und mir sagt: „Friede sei mit dir!“